DIE ALTE KIRCHE IN ISOKYRÖ

Diese dem Heiligen Laurentius zugeeignete alte Kirche in Isokyrö ist ohne Zweifel die wertvollste und ansehnlichste historische Sehenwürdigkeit in ganz Südostbottnien. In Zentrum der ältesten Niederlassung der Landschaft gelegen hat diese Kirche den ganzen grossen Kirchenbezirk dominiert aus dem im Verlauf der Jahrhunderte insgesamt etwa dreissig verschiedene Gemeinden gebildet worden sind.

Dem Herkommen nach hat hier schon früher eine kleinere hölzerne Kirche gestanden, die von den Mönchen des Klosters gebaut worden war, das an der Stelle des heutigen Pfarrhauses in Isokyrö gelegen war. Das früheste Stadium der heutigen Kirche vertritt die auf der nördlichen Seite liegende Sakristei, die, besonders weil sie aus Ziegeln gebaut ist, etwas Eigenartiges in der mittelalterlichen Kirchenarchitektur useres Landes ist.

Der aus Feldsteinen gemauerte Baukörper ist nach der Uberlieferung um die alte Holzkirche gebaut worden, und die Konstruktion beweist, dass er auch jünger als die Sakristei, wahrscheinlich gegen Ende des 14. Jahrhunderts gebaut ist.Die schweren, 160 bis 200 Zentimeter dicken Wandmauern sind bis zur Traufe gemessen sechs Meter hoch, und die First des schroffen Schindeldaches ist in einer Höhe von 24 Metern.Die auf der südlichen Seite liegende Rüstkammer ist später als der Baukörper gebaut worden. Von der Bauarbeit der Kirche, die mitt damaligen Mitteln durchgeführt eine Riesenarbeit gewesen sein muss, erzählt man noch heute viele Sagen. Die bekannteste ist die Sage, die von dem Töysäbewohner Tohn erzählt, wie er einen in dem westlichen Giebel gemauerten grossen Stein aus dem Simpsiö in Lapua getragen hat. Das runde Fenster unter diesem Stein hat ja  deshalb den namen "Tohns Fenster". Dies ist übrigens das einzige Fenster, das seine ursprüngliche Grösse erhalten hat. Die Fenster, der Südwand und des Ostgiebels wurden während der im 1707 durchgeführten Reparaturarbeit vergrössert. Dabei wurde auch ein neues Fenster an der nördlichen Wand durchgebrochen.

In der Kirche können wir eine Anzahl mittelalterlichen Schnitzwerke sehen, von denen das Standbild des Heiligen Heinrich, der einer von beiden Schutzheiligen der Kirche ist, ohne Zweifel das künstlerisch wertwollste ist. In diesem schitzwerk, das wahrscheinlich norddeutche Arbeit ist, hat der Künstler die Gegensätzlichkeit zwischen dem Heiligen und seinem Totschläger deutlich hervorbringen können. Das Kruzifix auf dem Schutzdach der  Kanzel vertritt auch in seinem schönen ruhigen Angesicht die Lübecker Kunstrichtung der Zeit. Das Standbild der Jungfrau Maria, die das Jesukind in den Armen hat, ist dagegen wahrscheilich von einem Meister aus Südostbottnien geschnitzt worden, der das ursprünliche, später verschwundene Madonnenstadbild der Kirche zum Volbild gehabt hat. In der Kirche sehen wir auch zwei Statuen, die den Heiligen Laurentius und irgend einen Mönchheiligen darstellen.

Alle obenerwähnten Scnitzwerke sind, soweit man aus der Stilrichtung schliessen kann, in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts verfertigt. Das Stanbild des Heiligen Georg, das auf dem Vorsprung des westgiebels steht, stammt dagegen  aus der letzten Zeit des Mittelalters. Zu gleicher Zeit mit den obenerwähnten hat man in die Kirche auch die grossen Altarschränke zu beiden Seiten des Chorfensters geschafft, die mit Schnitzwerken gefüllt waren die volkstümliche Kunst des 16. Jahrhunderts vertreten.

Von den übrigen Gegenständen der  Kirche sind zwei mittelalterliche Messgewänder und die von der Familie des Pfarrers Israel Alftan gechenkte Gedenktafel aus dem Jahr 1681 die bedeutendsten. Man nimmt an, dass das Bild an der genannten Tafel die Alte Kirche in ihrer damaligen Form darstellt.

Die denkwürdigste Sehenswürdigkeit der Kirche sind jedoch die Wandgemälde, die "der Grossfürst von Kyrö", Propst Jaakko Geet in den 60erJahren des 16.Jahrhunderts auf eigene Kosten hat malen lassen. Diese Wandgemälde bedecken in drei aufeinanderliegenden Reihen die Wände der Kirche. Diese in unserer kirchlichen Kunst einzigartigen Gemälde, die deutlich die Einstellung der Renaissancezeit ausdrücken, hat ein unbekannter Kuntsler gemalt. Jede Reihe der Gemälde bildet einheitliche Bildererzählung, die von dem westlichen Ende der Nordwand beginnt und um die ganze Kirche von links nach rechts herumläuft:

  • die oberste Bildserie umfasst die Geschichten von der Erschaffung der Welt bis zum Zerschlagen der Gesetztafeln

  • die mittlere Bildserie stellt das leben Christi von der Geburt bis zu der Himmelfahrt dar

  • die unterste Bildserie stellt die Evangelientexte der Sonntage dar.


Weiter können wir noch im oberen Teil der Chorwand ein Bild sehen, das die Aufenstehung der Toten beschreibt. Im Jahre 1666 liess der damalige Pfarrer der Gemeinde entweder unter dem Vorwand der Orthodoxie oder wegen der vermeintlichen primitivität der Gemälde sie mit Kalkputz bedecken, und so gerieten sie auf gute zwei Jahrhunderte in Vergessenheit.

Später erfuhr man durch alte Urkunden, dass die Wandegemälde da steckten und unter Leitung des Staatsarchäologen Aspelin konnte man sie im Jahr 1885 herausfinden und ans Licht ziehen.

In den Jahren 1770-1771 wurde die feste Einrichtung der Kirche im Geiste des Rokokos umgebaut , das noch heute insbesondere in den sich zierlich wölbenden Formen der Kanzel und des Altargebäudes zu erkennen ist. Die Holzarbeiten machte Abraham Rundström aus Ilmajoki, die Malerarbeiten und die Dekorationen sind Werk Johan Alms aus Vaasa. Er hat auch die Apostelbilder der Vorderseite der Galerie gemalt.

Die Galerie, die den Gemälden im Licht sand, wurde abgerissen und deren Vorderseite auf ihren heutigen Platz versetzt.

Bis zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts sind die Verstorbenen unter dem Fussboden der Kirche bestattet worden. Von dort hat man u.a. den Grabstein des im Jahre 1670 hingeschiedenen Propstes Brenner aufgehoben. Im Zusammenhang mit der Ausbesserung der Kirche im Jahre 1770 wurden die Gräber bedeckt, und man begann die Entschlafenen in den Garbgewölben zu bestatten, die ausserhalb der Kirche gebaut worden waren. 1828 wurden auch diese weggerräumt, und man nahm den Friedhof in Gebrauch, den wir immer noch vor der Kirche sehen können.

Von der alten Gottesdienstordnung weiss man, dass die Männer und Frauen unbedingt auf ihren eigenen Seiten gesessen haben und dass es dazu noch eine strenge Sitzordnung gab, die gänzlich auf irdischen Werten beruhte. Die Verbrecher musten ihre Taten in dem Fussblock ausserhalb der Kirche sühnen.

Die alte Kirche in Isokyrö hat mancherlei Geschicke um sich gesehen. An ihrer Wandmauer haben sich die Soldaten des Keulenkrieges versammelt, und der Keulenkrieg selbst nahm seinen Anfang in einem Zusammenstoss neben der Kirche. Man nimmt an, dass die Häuptlinge der Bauern auf der naheliegenden Insel hingerichtet wurden. Seit dem Mittelalter hat man in der Nähe der Kirche Märkte zum Heinrichstag und Laurentiustag gehalten, die von Menschen aus Turku, sogar Stockholm besucht wurden. Um die Kirche herum hat sich ja eine richtige Kirchenstadt mit ihren Vorratsräumen und Kirchenställen und anderen Gebäuden befunden.  

 

Bitte sehr, bilder aus die Alte Kirche.

Die mittlere Bildserie stellt das leben Christi von der Geburt bis zu der Himmelfahrt dar